Kommissar am Abgrund: Der dritte Fall für Kommissar Z

Der dritte Fall für Kommissar Z

Ein Unglück kommt selten allein. Das gilt gerade für den jungen Kommissar Rainer Zufall. Nicht nur, dass er von einer Frau gestalkt wird. Plötzlich steht er als mutmaßlicher Vergewaltiger und Mörder da. Doch das ist noch lange nicht das Ende seines persönlichen Albtraums. Schließlich muss er sogar um sein Leben fürchten. Seine Kollegin unternimmt alles, um ihm zu helfen und gerät dabei selbst in Schwierigkeiten.

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Die junge Frau kam mit Britta im Schlepptau völlig außer Atem ins Büro der Kommissare gestürmt. Erstaunt blickte Rainer auf, als die Tür aufgerissen wurde und sie sofort aufgeregt loslegte.

»Ich möchte Anzeige erstatten. Da bin ich hier richtig, oder? Sie sind doch von der Kriminalpolizei? Ist das hier die richtige Stelle?«.

Rainer Zufall musterte die Frau. Er schätzte sie auf vielleicht Mitte bis Ende zwanzig. Sie hatte brünette Haare, eine schlanke Figur und eine große Oberweite, die durch ein tief ausgeschnittenes T-Shirt nur leidlich bedeckt wurde. Am auffälligsten an ihr aber waren die Augen. Zum einen hatten sie ein tiefes Blau, zum anderen wurde ihre linke Gesichtshälfte von einem Veilchen dominiert.

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»Nun mal langsam, junge Dame«, erwiderte Britta Papadopoulos, die Rainer hinter dem Rücken der Frau einen entnervten Blick zuwarf und erklärend hinzufügte: »Ich habe sie zufällig unten beim Empfang aufgelesen und gleich mit hochgebracht, weil sie so aufgeregt war. Was ist passiert und wen wollen Sie anzeigen?«

Die junge Frau blickte von Rainer zu Britta, dann wieder zu Rainer.

»Meinen Ex-Freund, diesen brutalen Kerl.«

»War er das?«, fragte Rainer und deutete auf das Veilchen.

Die Augen der Brünetten blitzten kurz auf, als Rainer sie angesprochen hatte. Dann nickte sie.

»Ja.«

»Ist das zum ersten Mal passiert?«, fragte er sanft.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, das erste Mal war vor drei Wochen.« Tränen traten ihr in die Augen.

»Und warum?«, hakte Britta nach.

»Klaus ist tierisch eifersüchtig. Ohne Grund«, fügte sie hinzu und probierte ein Lächeln in Rainers Richtung.

»Aber damals haben Sie ihn nicht angezeigt?«

Wieder schüttelte sie den Kopf.

»Warum nicht?« Brittas Ton war eine Spur schärfer geworden.

»Er hat sich sofort entschuldigt und gesagt, dass ihm die Hand ausgerutscht wäre.«

»Aha«, sagte Rainer. »Und seitdem hat er sie wieder geschlagen?«

Sie nickte.

»Okay, und jetzt möchten Sie ihn anzeigen?«, fragte Britta.

Wieder ein Nicken.

»Und Ihnen ist es ernst damit, ja?«

»Auf jeden Fall«, antwortete sie bestimmt und lächelte Rainer an.

»Das ist zwar eigentlich nicht unsere Aufgabe, aber gut, dann brauchen wir ein paar Informationen. Zunächst Ihren Namen und Ihr Alter.«

»Sophie, Sophie Albers«, begann sie und lächelte Rainer an. »Ich bin 28 Jahre alt.«

»Okay, wie heißt Ihr Freund?«

»Ex-Freund«, betonte sie in Rainers Richtung. »Klaus Bartels.«

Die beiden Kommissare nahmen die Anzeige auf.

»So, das wär`s«, beschloss Britta die Befragung.

»Und was passiert jetzt?«, fragte Sophie leicht irritiert.

»Wir werden Ihren Freund …«.

»Ex-Freund«, unterbrach sie die junge Frau.

»Also gut. Wir werden Ihren Ex-Freund vorladen und ihn mit den Vorwürfen konfrontieren.«

»Aber«, stotterte Sophie. »Aber was ist, wenn er mir jetzt auflauert? Kann ich nicht so etwas wie Polizeischutz bekommen?«

Britta schüttelte mit dem Kopf. »Es besteht ja keine Gefahr für Ihr Leben.«

»Aber ich habe Angst.« Panik schwang in ihrer Stimme mit. »Was ist, wenn er mir zuhause auflauert?«

»Hat er denn einen Wohnungsschlüssel?«

»Das nicht, aber wenn er vor meiner Tür steht, wenn ich nach Hause komme?«

»Dann verständigen Sie die Polizei.« Britta wandte sich ab, um ihr zu zeigen, dass das Gespräch für sie beendet war.

»Können Sie mich vielleicht nach Hause bringen? Dann würde ich mich sicherer fühlen.« Sie warf Rainer einen flehenden Blick zu.

Eigentlich fiel das nun wirklich nicht in Rainers Aufgabengebiet, aber der verzweifelte Blick der jungen Frau bewegte ihn.

»Das kann ein Kollege von uns übernehmen, Frau Albers.«

Die Frau sah ihn bittend an, sodass Rainer weich wurde.

»Okay, kann ich machen, aber mehr kann ich nicht für Sie tun.«

Britta warf ihm einen genervten Blick zu, den er versuchte zu ignorieren.

Sophie atmete dankbar auf. »Vielen Dank, Herr Kommissar.«

Sie fuhren zur Wohnung der jungen Frau im Hamburger Stadtteil Borgfelde. Rainer hielt direkt vor der Haustür und machte Anstalten, sich zu verabschieden.

»Können Sie vielleicht noch mit hineinkommen und sicherstellen, dass er nicht vor der Tür lauert?«, fragte Sophie und legte eine Hand auf seinen Arm. Rainer blickte sich genervt um und fuhr weiter, um einen Parkplatz zu suchen. Neben ihm seufzte die junge Frau und ein Lächeln überzog ihr Gesicht.

Nachdem er einen Parkplatz gefunden hatte, stiegen sie aus und betraten das Haus. Der Hausflur war leer. Als sie im zweiten Stock angekommen waren, suchte Sophie nach ihrem Schlüssel. Bevor sie öffnete, drehte sie sich zu Rainer um und fragte ihn: »Darf ich Ihnen noch etwas anbieten? Als kleine Entschädigung für Ihre Mühe?«

Rainer schüttelte den Kopf. »Nein, vielen Dank. Ich muss wirklich wieder zurück. Hier scheint ja alles in Ordnung zu sein.«

Man sah der Frau die Enttäuschung an. »Schade. Aber wenn ich noch mal Hilfe brauche, kann ich Sie dann anrufen?« Sie schenkte ihm einen hilflosen Blick.

»Wir werden Ihre Anzeige an die zuständigen Kollegen übergeben, die sich bei Ihnen melden werden. Bis dahin können Sie im Notfall bei mir anrufen.« Er reichte ihr eine Visitenkarte.

»Vielen Dank. Nun fühle ich mich schon viel besser.«

»Und kühlen Sie Ihr Veilchen«, warf er ihr noch zu, bevor er sich auf den Weg machte. Sophie Albers lächelte.

Als sie die Tür geöffnet und wieder hinter sich geschlossen hatte, blickte sie versonnen auf die Visitenkarte in ihrer Hand. Gab es Liebe auf den ersten Blick? Ab heute war sie überzeugt: Ja! Dieser gutaussehende Kommissar hatte es ihr angetan. Und der Begriff "Notfall" ließ sich doch sehr weit dehnen. Sie war entschlossen, bei ihm aufs Ganze zu gehen.

Rainer war mit seinen Gedanken schon wieder bei ihrem gerade abgeschlossenen Fall, als er sich auf den Weg zurück ins Präsidium machte. Die Sache mit dem selbsternannten Rächer, der Selbstjustiz geübt und mehrere Jugendliche misshandelt und schließlich sogar Menschen ermordet hatte, beschäftigte ihn immer noch. Er ahnte nicht, dass sein eigener Albtraum gerade seinen Anfang genommen hatte.

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Selbstjustiz: Der zweite Fall für Kommissar Z.

Hamburg-Krimi

Eine Reihe von Misshandlungen junger Männer hält Kriminalkommissar Rainer Zufall und seine Kollegen in Atem. Welches Motiv hat der Täter, der seinen Opfern ein Z in die Stirn ritzt? Ist es ein Racheakt? Aber wofür? Die Zeit wird knapp, denn die Taten werden immer brutaler und es ist nur eine Frage von Tagen, bis es Tote gibt. Aber das ist nicht die einzige Sorge der Kommissare. Lange haben die Kommissare keinen Ansatzpunkt, bis der Täter Fehler macht.

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PROLOG
Der Mann im dunklen Anzug blickte von seiner Zeitung auf und sah zu den Halbstarken hinüber, die andere Fahrgäste in der Bahn belästigten. Dieses Mal war es ein junges Mädchen, auf das es die beiden Rüpel abgesehen hatten.
»Nun hab dich doch nicht so, du willst es doch auch«, hörte er den einen der beiden sagen. Der junge Mann war höchstens zwanzig Jahre alt und hatte einen fast kahl rasierten Schädel. Er war zwar muskulös, aber nicht gerade ein Kraftprotz. Doch zusammen mit seinem etwa gleichaltrigen Freund fühlte er sich anscheinend stark. Der Freund, der ebenfalls nicht besonders kräftig wirkte und im Gegensatz zu seinem Kumpel lange Haare trug, griff zwar nicht selbst ein, aber ermunterte den anderen, das Mädchen zu küssen, und feuerte ihn an, als dieser die junge Frau weiter bedrängte.
Das Mädchen versuchte vergeblich, sich zu wehren, doch der mit den kurzen Haaren küsste die sich heftig wehrende Frau und griff ihr in den Ausschnitt.

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Der Mann im dunklen Anzug blickte sich um. Alle anderen Fahrgäste schauten betreten weg. Von denen war offenbar kein Eingreifen zu erwarten. Er überlegte, ob er selbst tätig werden sollte, fühlte sich den Beiden aber körperlich unterlegen und ließ es lieber bleiben. Doch er spürte wie sein Jagdfieber erwachte. Als die Bahn an der nächsten Station, Lattenkamp, anhielt und die beiden Halbstarken ausstiegen, knüllte der Mann seine Zeitung zusammen und ging ebenfalls auf den Ausstieg zu. Die junge Frau saß weinend auf ihrem Sitz und blickte den beiden jungen Männern voller Verzweiflung nach. Enttäuscht blickte sie auf die anderen Fahrgäste. Keiner war ihr zur Hilfe gekommen. Sie war ein hübsches Mädchen mit langen, blonden Haaren und einem sinnlichen Mund. Sie trug einen knappen, sehr knappen Rock, den diese Kerle anscheinend als Einladung interpretiert hatten. Die junge Frau knöpfte, so gut es trotz der abgerissenen Knöpfe ging, ihre Bluse zu. Ihr kurzer Rock war hochgeschoben, so dass man ihren Slip sehen konnte. Der Mann mit dem schwarzen Anzug warf ihr noch einen kurzen Blick zu und beeilte sich, den Kerlen zu folgen.
Die beiden Rüpel gingen zum Ausgang. Auf der Straße trennten sich ihre Wege. Der Mann im dunklen Anzug lächelte. So etwas hatte er gehofft. Er folgte dem jungen Kerl mit dem kahl rasierten Schädel. Der schien es nicht eilig zu haben, schlenderte scheinbar ziellos durch die Alsterdorfer Straße, breitbeinig und offensichtlich bester Laune. Als er an einem dunklen Hauseingang vorbeikam, war der Mann im dunklen Anzug plötzlich hinter ihm, zog einen Schlagring und streckte ihn mit einem gezielten Schlag zu Boden. Er schleifte den jungen Mann in ein nahegelegenes Gebüsch und blickte sich um. Anscheinend hatte niemand den Vorfall bemerkt. Er zog dem bewusstlosen Mann Pullover und T-Shirt aus und fesselte ihn. Danach entledigte er ihn auch seiner Jeans, Unterwäsche und Strümpfe und stopfte ihm die Strümpfe in den Mund. Anschließend rieb er den immer noch leblos Daliegenden mit Erde ein und ritzte ihm mit einem Messer ein großes Z auf die Stirn. Als letztes trat er dem Opfer mehrmals kräftig zwischen die Beine und betrachtete zufrieden sein Werk. Danach stand er auf, raffte die Kleidung des jungen Mannes zusammen, blickte sich noch einmal um und machte sich eilig davon. Kurz bevor er die Station Alsterdorf erreichte, warf er das Bündel in einen Müll-Container. Zufrieden lächelnd stieg er anschließend in die U-Bahn, um nach Hause zu fahren. Sein Werk für heute war erledigt.

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