Nordsee (üb-)erleben

Last minute in den Tod

Book Cover: Nordsee (üb-)erleben

Andrea und Edgar beschließen, ‚Last Minute‘ ein Ferienhaus in Dänemark zu buchen, um ihren wohlverdienten Urlaub dort zu verbringen.
Von Anfang an bemerkt Andrea unheimliche Dinge, die dort passieren, und auch ihr Mann verhält sich eigenartig, nimmt alle Merkwürdigkeiten entweder gar nicht wahr oder wischt sie als Spinnereien seiner Frau beiseite.
Als Edgar plötzlich verschwindet, wird es für Andrea zur Gewissheit, dass sie sich nichts davon eingebildet hat. Ein Nachbar, der plötzlich auftaucht, bietet ihr Hilfe an, die sie besser nicht angenommen hätte.

Excerpt:

Urlaubsreif

Es war eine harte Zeit gewesen, sodass beide das Gefühl hatten, sich den Urlaub redlich verdient zu haben. Die Frage „Berge oder Meer“ war schnell beantwortet. An die Nordsee sollte es gehen, frische Meeresluft, Strandspaziergänge, Baden und die Seele baumeln lassen. Edgar Sommer hatte schnell noch seine letzten Arbeiten erledigt und dann eilig seinen Koffer gepackt.

Andrea Sommer war wie immer schneller abfahrbereit gewesen. Am vorherigen Abend hatten sie auf den letzten Drücker ein kleines Ferienhaus in Dänemark mit nicht allzu großem Abstand vom Strand buchen können. Es war bereits Nachsaison, weshalb sie vermutlich das Glück hatten, noch etwas zu bekommen, was nicht zu teuer, aber eben auch in Strandnähe war. Obwohl Geld bei ihnen wirklich keine Rolle spielte, waren sie beide sehr kostenbewusst.

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Als Anwalt verdiente Edgar wahrlich nicht schlecht und auch Andreas Beruf als Autorin war recht einträglich, denn die meisten ihrer Bücher verkauften sich überaus gut. Aber nun sollte es erst einmal für zwei schöne Wochen raus aus dem ganzen Trubel gehen. Andrea freute sich besonders darauf, denn die letzten Wochen waren stressig gewesen, sodass sie schon fürchtete, in einen Burnout abzugleiten.

Edgar schien der Stress nichts auszumachen, und selbst kurz vor der Abfahrt führte er noch diverse Telefonate. Andrea hatte den gesamten Vorabend auf ihn eingeredet, um ihm schließlich das Versprechen abzuringen, dass er sein Smartphone zuhause lassen würde und auch sonst nicht erreichbar war. Zähneknirschend hatte er dem schließlich zugestimmt. Vermutlich verspürte er deshalb das Bedürfnis, vor der Abreise noch alles Mögliche zu klären.

Demonstrativ saß Andrea schon im Auto, während ihr Ehemann noch immer telefonierte. Endlich stieg er in den Wagen und wollte gerade starten, als sein Handy klingelte und ihn verriet. Seine Frau warf ihm einen bösen Blick zu.

»Was hatten wir abgemacht?«, zischte sie, woraufhin er sie schuldbewusst anblickte.

»Macht der Gewohnheit«, erklärte er kleinlaut. Innerlich aber kochte er. Ihr Verhalten wurde immer nerviger. Und nun musste er es zwei Wochen mit ihr, aber ohne sein geliebtes Handy aushalten.

»Du willst da jetzt nicht wirklich rangehen?«, sagte sie in scharfem Ton. Wenn Blicke töten könnten, wäre sie im nächsten Moment Witwe gewesen.

»Es könnte etwas Wichtiges sein«, entgegnete er.

Ehe er sich versah, hatte sie ihm das Telefon abgenommen, den Anruf weggedrückt und das Gerät ausgeschaltet.

»Ich bin gleich zurück«, verkündete sie, stieg aus dem Auto und öffnete die Haustür. Edgar sah noch, wie sie sein Handy auf das kleine Regal im Flur knallte und die Haustür wieder verschloss.

Als sie ins Auto stieg, herrschte dicke Luft. Schweigend startete er den Motor, fuhr aus der Einfahrt und verließ ihre Straße. Die ersten zehn Kilometer sagte keiner ein Wort. Langsam entspannten sich beide, und nach einer Weile eröffnete Andrea das Gespräch.

»Es muss auch mal zwei Wochen ohne gehen. Wir müssen einfach ein paar Tage raus und nicht erreichbar sein, sonst wird das kein richtiger Urlaub.«

»Du hast ja recht«, lenkte er ein. »Ich denke immer, ohne mich geht es nicht, davon muss ich mich freimachen.«

»Genau! Und jetzt freu dich mit mir auf einen schönen, entspannten, hoffentlich langweiligen Urlaub«, sagte sie grinsend.

»Ja, einfach mal chillen und nichts tun«, stimmte er ihr innerlich widerstrebend zu.

Sie erreichten die Autobahn, und Andrea zog die Buchungsunterlagen heraus, die sie sich am Vorabend ausgedruckt hatte. Bis 17 Uhr konnten sie den Schlüssel abholen. Von dort waren es noch ca. 20 Kilometer bis zu ihrem Häuschen. Auf dem Weg würden sie noch ein wenig Verpflegung besorgen, und dann konnte die Entspannung beginnen. Was für ein Glück, dass sie bzw. Edgar 'Last Minute' noch etwas gefunden hatte. Die Bilder des Hauses versprachen einen ruhigen Urlaub, denn anscheinend lag das Haus an einem Waldrand, also ziemlich einsam.

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