Hilflos ausgeliefert

Tatort Eppendorfer Park

Nachdem Kommissar Rainer Zufall den Hilferuf eines ehemaligen Mitschülers erhalten hat, verabredet er sich mit ihm zu einem persönlichen Treffen. Aber der Mann erscheint nicht und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Der Kommissar macht sich auf die Suche nach anderen ehemaligen Klassenkameraden, um mehr über den Toten herauszufinden, und stößt auf eine Mauer des Schweigens. Beinahe alle scheinen in geheimnisvolle Aktivitäten involviert zu sein, die noch mehr Tote fordern. Für Rainer Zufall wird die Suche nach dem Mörder zu einer Reise in die Vergangenheit. Als er gerade dabei ist, das Rätsel zu lösen, gerät er selbst in tödliche Gefahr.

Excerpt:

Der Hilferuf

Kommissar Rainer Zufall war gerade auf dem Weg nach Hause, um sich umzuziehen, als sein Telefon klingelte. Er war mit Saskia Hartung, seiner neuen Freundin, zum Essen verabredet. Die Nummer war ihm unbekannt, sodass er im ersten Moment überlegte, den Anruf zu ignorieren. Schon mehrere Male hatte er eine Verabredung mit Saskia platzen lassen, weil ihm etwas dazwischengekommen war. Das wollte er nicht schon wieder riskieren, auch wenn sie bisher Verständnis gezeigt hatte. Aber er wollte es nicht überstrapazieren.

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Kurz bevor sich die Mailbox gemeldet hätte, nahm er das Gespräch dann doch an. Es konnte ja etwas Wichtiges sein, aber er hoffte, dass es Zeit bis zum nächsten Tag hatte, dass er sich kümmern müsste.

»Hallo«, meldete er sich, ohne seinen Namen zu nennen.

»Hallo Rainer, bist du es?«, vernahm er eine aufgeregt klingende Stimme.

Rainer stutzte. Der Anrufer schien ihn zu kennen, aber er hatte keine Ahnung, wer am anderen Ende sein könnte.

»Wer ist denn da?«, fragte er zurück, ohne die Frage seines Anrufers zu beantworten.

»Hier ist Rene, Rene Behrmann, du erinnerst dich?«

Natürlich, fiel ihm ein, Rene war ein alter Klassenkamerad, der mit ihm zusammen Abitur gemacht hatte.

»Ach, Rene, hallo. Das ist ja eine Überraschung. Wie geht es dir?«

»Nicht so gut«, antwortete Rene, »ehrlich gesagt ziemlich bescheiden.«

»Oh, was ist passiert?« Rainer ahnte langsam, dass Rene nicht angerufen hatte, um in Erinnerungen an frühere Zeiten zu schwelgen. Er hatte schon früher die Probleme wie ein Magnet angezogen.

»Sag mal, du bist doch bei der Polizei, oder?«

»Ja, das ist richtig, warum?«

Rene zögerte einen Moment. »Weißt du, ich stecke in ziemlichen Schwierigkeiten und brauche dringend Hilfe. Kannst du ...«

»Was denn?«, hakte Rainer nach, denn in der Leitung war es plötzlich still geworden. Er horchte, weil er dachte, dass Rene aufgelegt hatte, doch plötzlich vernahm er dessen Stimme wieder.

»Sag mal, können wir uns irgendwo treffen?« Nun klang er regelrecht verzweifelt.

»Klar, aber worum geht es denn?« Rainer verspürte wenig Lust, die Verabredung mit Saskia zu verschieben oder sogar platzen zu lassen. Er hatte sich so sehr darauf gefreut.

»Das ist nichts fürs Telefon«, erwiderte Rene.

»Hat das vielleicht Zeit bis morgen? Ich habe heute schon etwas vor.«

»Du, es ist wirklich dringend. Morgen kann es schon zu spät sein.« Es klang flehend.

»Rene, du sprichst in Rätseln. Zu spät sein wofür?« Langsam wurde Rainer sauer auf seinen früheren Mitschüler.

»Bitte, Rainer, du bist meine letzte Hoffnung.«

Natürlich konnte Rainer an der Stelle nicht mehr Nein sagen, das lag einfach nicht in seiner DNA.

»Also gut, Rene, wann und wo?«

»Danke, Kumpel, das werde ich dir nie vergessen. Treffen wir uns in einer Stunde im Eppendorfer Park, am besten an dem kleinen See dort.«

»Okay«, stimmte Rainer seufzend zu. »Bis dann!«

Er beendete das Gespräch und blickte auf seine Uhr. Es war 18 Uhr. Mit Saskia war er um 19 Uhr verabredet. Mit Chance konnte er gegen 20.30 Uhr bei ihr sein. Dann wäre zumindest noch etwas von ihrem gemeinsamen Abend übrig.

Rainer rief sie an und versprach, sie um spätestens 20.30 Uhr abzuholen. Dann hätten sie noch die Möglichkeit, im nahegelegenen Restaurant zu essen. Saskia war zwar nicht begeistert, aber als Rainer ihr den Grund nannte, zeigte sie Verständnis.

»Ich freue mich auf dich«, war das Letzte, was sie sagte, bevor sie ihr Telefonat beendeten.

Rainer zog sich schnell um und machte sich wieder auf den Weg. In welchen Schlamassel Rene wohl mal wieder reingeraten war. Das war fast wie früher. Mehrere Mitschüler hatten einen Streich geplant und durchgeführt, aber der Einzige, der erwischt wurde, war Rene gewesen. Typisch!

Er war gespannt, in welchen Schwierigkeiten er dieses Mal steckte. Rene klang am Telefon recht verzweifelt. Rainer hatte keine Ahnung, ob er ihm würde helfen können, aber er wollte es sich zumindest mal anhören.

Zum vereinbarten Zeitpunkt war Rainer vor Ort. Er stand an dem kleinen See, war aber der einzige Mensch weit und breit. Es wurde 19.15 Uhr, 19.30 Uhr. Um 19.45 Uhr entschied Rainer, der den See inzwischen einmal umrundet hatte, dass Rene ihn anscheinend versetzt hatte. Er war sich unsicher, ob er besorgt oder verärgert sein sollte. Also entschied er, sich den Abend nicht versauen zu lassen und machte sich auf den Weg zu Saskia.

Seine Freundin freute sich, dass er sogar früher als angekündigt bei ihr eintraf. Nach einer innigen Umarmung und mehreren Küssen machten sie sich auf den Weg zum Restaurant.

Rainer genoss ihre Zweisamkeit und sah einem entspannten Abend entgegen. Leider sollte er sich täuschen.

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