Tödliche Eifersucht – Tatort Rathausmarkt

Hamburg-Krimi

Was als nette Hilfe für eine attraktive junge Frau beginnt, entwickelt sich für den jungen Kommissar Rainer Zufall zu einem echten Albtraum. Nachdem die Frau mit Stalking und einem direkten Annäherungsversuch scheitert, steht der Kommissar plötzlich als mutmaßlicher Vergewaltiger und kurz darauf sogar als Mörder da. Schließlich gerät er ins Fadenkreuz eines brutalen Mörders. Seine Kollegin unternimmt alles, um ihm zu helfen, und gerät dabei selbst in tödliche Gefahr.
Der dritte Fall lässt Kommissar Rainer Zufall daran zweifeln, ob er als Kommissar bei der Kriminalpolizei eine Zukunft hat.

Excerpt:

Prolog

Die junge Frau kam mit Kommissarin Britta Papadopoulos im Schlepptau völlig außer Atem ins Büro der Kommissare gestürmt. Erstaunt blickte Rainer Zufall auf, als die Tür aufgerissen wurde und die Frau sofort aufgeregt loslegte.

»Ich möchte Anzeige erstatten. Da bin ich hier richtig, oder? Sie sind doch von der Kriminalpolizei? Ist das hier die richtige Stelle?«. Sie war vor Aufregung völlig außer Atem.

Rainer Zufall musterte die Frau. Er schätzte sie auf vielleicht Mitte bis Ende zwanzig. Sie hatte brünette Haare, eine schlanke Figur und eine große Oberweite, die durch ein tief ausgeschnittenes T-Shirt nur leidlich bedeckt wurde. Am auffälligsten an ihr aber waren die Augen. Zum einen hatten sie ein tiefes Blau, zum anderen wurde ihre linke Gesichtshälfte von einem Veilchen dominiert. Sie setzte sich unaufgefordert vor Rainers Schreibtisch.

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»Nun mal langsam, junge Dame«, erwiderte Britta, die Rainer hinter dem Rücken der Frau einen entnervten Blick zuwarf und erklärend hinzufügte: »Ich habe sie zufällig unten beim Empfang aufgelesen und gleich mit hochgebracht, weil sie so aufgeregt war. Was ist passiert und wen wollen Sie anzeigen?«

Die junge Frau blickte von Rainer zu Britta, dann wieder zu Rainer.

»Meinen Ex-Freund, diesen brutalen Kerl.«

»War er das?«, fragte Rainer und deutete auf das Veilchen.

Die Augen der Brünetten blitzten kurz auf, als Rainer sie angesprochen hatte. Dann nickte sie.

»Ja, das war der Kerl.«

»Ist das zum ersten Mal passiert?«, fragte er sanft.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, das erste Mal war vor drei Wochen.« Tränen traten ihr in die Augen. »Und ich habe noch gedacht, dass das ein einmaliger Ausrutscher gewesen wäre.«

»Und warum hat er sie geschlagen?«, hakte Britta nach.

»Klaus ist tierisch eifersüchtig. Ohne Grund«, fügte sie hinzu und probierte ein Lächeln in Rainers Richtung.

»Aber damals haben Sie ihn nicht angezeigt?«

Wieder schüttelte sie den Kopf.

»Warum nicht?« Brittas Ton war eine Spur schärfer geworden. Rainer spürte, dass ihr die Frau aus irgendeinem Grund nicht besonders sympathisch war.

»Er hat sich sofort entschuldigt und gesagt, dass ihm die Hand ausgerutscht wäre.«

»Aha«, sagte Rainer. »Und trotzdem hat er sie jetzt wieder geschlagen?«

Sie nickte.

»Okay, und daher möchten Sie ihn anzeigen?«, fragte Britta.

Wieder ein Nicken.

»Und Ihnen ist es ernst damit, ja?«

»Auf jeden Fall«, antwortete sie bestimmt und lächelte Rainer an. »Das lass ich mir nicht noch einmal bieten.«

»Das ist zwar eigentlich nicht unsere Aufgabe, aber gut, dann brauchen wir ein paar Informationen. Zunächst Ihren Namen und Ihr Alter.«

»Sophie, Sophie Albers«, begann sie und lächelte Rainer an. »Ich bin 28 Jahre alt.« Ihre Stimme war beinahe gehaucht.

»Okay, wie heißt Ihr Freund?«

»Ex-Freund«, betonte sie in Rainers Richtung.

»Okay, wie heißt Ihr Ex-Freund?« Britta betonte das Ex noch einmal besonders.

»Klaus Bartels.«

Die beiden Kommissare nahmen die Anzeige auf.

»So, das wär`s«, beschloss Britta die Befragung.

»Und was passiert jetzt?«, fragte Sophie leicht irritiert und blickte Rainer hilfesuchend an.

»Wir werden Ihren Freund …«.

»Ex-Freund«, unterbrach sie die junge Frau noch einmal.

»Also gut. Wir werden Ihren Ex-Freund vorladen und ihn mit den Vorwürfen konfrontieren.«

»Aber«, stotterte Sophie. »Aber was ist, wenn er mir jetzt auflauert? Kann ich nicht so etwas wie Polizeischutz bekommen?«

Britta schüttelte den Kopf. »Es besteht ja keine Gefahr für Ihr Leben.«

»Aber, aber ich habe Angst.« Panik schwang in ihrer Stimme mit. »Was ist, wenn er mir zuhause auflauert?«

»Hat er denn einen Wohnungsschlüssel?«

»Das nicht, aber wenn er vor meiner Tür steht, wenn ich nach Hause komme?«

»Dann verständigen Sie die Polizei.« Britta wandte sich ab, um ihr zu zeigen, dass das Gespräch für sie beendet war.

»Können Sie mich vielleicht nach Hause bringen? Dann würde ich mich sicherer fühlen.« Sie warf Rainer einen flehenden Blick zu und zwinkerte dann mit den Augen.

Eigentlich fiel das nun wirklich nicht in Rainers Aufgabengebiet, aber der verzweifelte Blick der jungen Frau bewegte ihn.

»Das kann ein Kollege von uns übernehmen, Frau Albers.«

»Können nicht vielleicht Sie …?« Die Frau sah ihn bittend an, sodass Rainer weich wurde.

»Okay«, seufzte er, »kann ich ausnahmsweise machen, aber mehr kann ich nicht für Sie tun.«

Britta warf ihm einen genervten Blick zu, den er versuchte zu ignorieren.

Sophie atmete dankbar auf. »Vielen Dank, Herr Kommissar.«

Sie fuhren zur Wohnung der jungen Frau im Hamburger Stadtteil Mitte in der Nähe des Rathauses. Rainer hielt direkt vor der Haustür und machte Anstalten, sich zu verabschieden.

»Können Sie vielleicht noch mit hineinkommen und sicherstellen, dass er nicht vor der Tür lauert?«, fragte Sophie und legte eine Hand auf seinen Arm. Rainer blickte sich genervt um und fuhr weiter, um einen Parkplatz zu suchen, was in der Gegend nicht so einfach war. Neben ihm seufzte die junge Frau und ein Lächeln überzog ihr Gesicht.

Nachdem er einen Parkplatz gefunden hatte, stiegen sie aus und betraten das Haus. Der Hausflur war leer. Als sie im zweiten Stock angekommen waren, suchte Sophie nach ihrem Schlüssel. Bevor sie öffnete, drehte sie sich zu Rainer um und fragte ihn: »Darf ich Ihnen noch etwas anbieten? Als kleine Entschädigung für Ihre Mühe?«

Rainer schüttelte den Kopf. »Nein, vielen Dank. Ich muss wirklich wieder zurück. Da wartet noch jede Menge Arbeit auf mich und hier scheint ja alles in Ordnung zu sein.«

Man sah der Frau die Enttäuschung an. »Schade. Aber wenn ich noch mal Hilfe brauche, kann ich Sie dann anrufen?« Sie schenkte wieder ihm einen hilflosen Blick.

»Wir werden Ihre Anzeige an die zuständigen Kollegen übergeben, die sich bei Ihnen melden werden. Bis dahin können Sie im Notfall bei mir anrufen.« Er reichte ihr eine Visitenkarte. »Aber bitte nur im Notfall«, fügte er hinzu.

»Vielen Dank. Nun fühle ich mich schon viel besser.«

»Und kühlen Sie Ihr Veilchen«, warf er ihr noch zu, bevor er sich auf den Weg machte. Sophie Albers lächelte.

Als sie die Tür geöffnet und wieder hinter sich geschlossen hatte, blickte sie versonnen auf die Visitenkarte in ihrer Hand. Gab es Liebe auf den ersten Blick? Ab heute war sie überzeugt: Ja! Dieser gutaussehende Kommissar hatte es ihr angetan. Und der Begriff "Notfall" ließ sich doch sehr weit dehnen. Sie war entschlossen, bei ihm aufs Ganze zu gehen.

Sophie Albers griff zu ihrem Smartphone und schrieb mehrere SMS. Die Kerle konnten ihr ab jetzt gestohlen bleiben.

Rainer war mit seinen Gedanken schon wieder bei ihrem gerade abgeschlossenen Fall, als er sich auf den Weg zurück ins Präsidium machte. Die Sache mit dem selbsternannten Rächer, der Selbstjustiz geübt und mehrere Jugendliche misshandelt und schließlich sogar Menschen ermordet hatte, beschäftigte ihn immer noch. Er ahnte nicht, dass sein eigener Albtraum gerade seinen Anfang genommen hatte.

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