Gefährliche Rückkehr: Tatort Stadtparksee

Hamburg-Krimi

Ein totgeglaubter Mann taucht nach 13 Jahren wieder auf und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Wie sich schnell herausstellt, war er vor seinem Verschwinden im Auftrag der Firma Stork & Söhne in Namibia unterwegs. Rainer Zufall, der frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, ermittelt gemeinsam mit Karl Steiner und dem neuen Kollegen Henrik Hansen. Rasch verdichtet sich der Verdacht gegen Stork senior und seinen Sohn. Aber auch die Ex-Frau des Toten verhält sich eigenartig. Sie ist inzwischen wiederverheiratet und weiß anscheinend mehr, als sie sagt. Zwei weitere Tote lassen die Ermittlungen in eine völlig neue Richtung laufen. Schließlich gerät die Schwester des Toten, die in Rainer Erinnerungen an seinen ersten Fall wachruft, ins Fadenkreuz des Täters.

Excerpt:

Tod am Stadtparksee – Tag 1

Gehetzt blickte er sich um. Es war vermutlich keine gute Idee gewesen, Natascha nach dreizehn Jahren Abwesenheit aufzusuchen, doch seine Sehnsucht nach ihr war einfach zu groß gewesen. Erst glaubte sie wohl, ein Gespenst zu sehen, aber nach einigen Minuten hatte sie sich wieder gefangen und sich von ihm in die Arme nehmen lassen. Allerdings blieb sie sehr zurückhaltend. Das hatte ihn irritiert, aber vielleicht war das verständlich, weil er sich all diese Jahre nicht bei ihr gemeldet hatte. Er wollte ihr erklären, was passiert war und warum er hatte verschwinden müssen, aber aus irgendeinem Grund konnte er es nicht. Etwas hielt ihn zurück. Erst einmal wollte er denjenigen zur Rechenschaft ziehen, wegen dem er all die Jahre untertauchen musste.

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Anstatt sich darüber zu freuen, dass er zurück war, hatte Natascha ihm gebeichtet, dass sie ihn im letzten Jahr hatte für tot erklären lassen, weil von ihm kein Lebenszeichen gekommen war. Er war erschüttert, auch wenn er es aus ihrer Sicht natürlich verstehen konnte. Noch mehr hatte ihn getroffen, dass sie schon wieder verheiratet war und ausgerechnet mit Sohn dieses Kerls, den er schon früher nicht ausstehen konnte.

Sie hatte ihn nach seinen Plänen gefragt. Doch das konnte er noch nicht beantworten. Am liebsten würde er zur Polizei gehen, hatte er geantwortet, ohne eine Erklärung darüber abzugeben, weshalb und was er dort zu berichten hatte. Ihren Blick konnte er nicht deuten. War es Überraschung, Besorgnis, Furcht? Er traute sich nicht, sie danach zu fragen, vermutlich, weil er Angst vor ihrer Antwort hatte. Seine Frau war ihm in diesem Moment plötzlich fremd gewesen.

Er würde sich erst einmal eine Weile nicht melden können, hatte er ihr erzählt, und ihr seine Handynummer geben. War das ein Fehler gewesen? Aber er hatte sie doch gebeten, erst einmal niemandem zu erzählen, dass er wieder da war. Dann war er gegangen und hatte sich in einem billigen Hotel ein Zimmer genommen.

Das war nun zwei Tage her. Er ging durch den Stadtpark, um sich ein wenig dort umzuschauen, wo er sich am übernächsten Tag mit Stefan treffen wollte, als er sich plötzlich beobachtet fühlte. Er war so in Gedanken gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass ihm jemand folgte. Als er das dann realisierte, dachte er zunächst, es wäre Stefan, bis er seinen Irrtum bemerkte. Sein Herz begann zu rasen. Er beschleunigte seine Schritte, doch die Verfolger taten das Gleiche. Wie hatten sie ihn gefunden? Steckte vielleicht sogar Natascha dahinter? Hatte sie ihn verraten? Ihre Reaktion auf sein Erscheinen war deutlich anders gewesen, als er gehofft, ja eigentlich erwartet hatte, auch wenn er sich dreizehn Jahre lang nicht hatte melden können. Hatte sie es ihm doch erzählt, dass er wieder da war, oder war ihm vielleicht jemand von Natascha aus gefolgt und hatte ihn seitdem nicht aus den Augen gelassen?

Wieder hatte er dieses Gefühl, das ihm in Namibia mehrfach das Leben gerettet hatte: Gefahr! Alle Alarmglocken läuteten, und er beschleunigte seine Schritte noch mehr. Als er sich umblickte, sah er zu seiner Erleichterung, dass er den Mann abgehängt zu haben schien. Vor ihm tauchte in der Dunkelheit der Stadtparksee auf. Immer noch schwer atmend, aber erleichtert stellte er sich an den Rand des Sees und blickte aufs Wasser. Der Abend lud eigentlich nicht zu einem Spaziergang ein, denn es war windig und hatte den ganzen Tag lang genieselt. Nun aber war es trocken und der Wind hatte nachgelassen. Sinnierend blickte er übers Wasser und dachte über seine Pläne für die nächsten Tage nach. Auch wenn es merkwürdig war, doch in gewisser Hinsicht vermisste er Namibia. Hätte er doch lieber in Namibia bleiben sollen? Aber nein, er musste denjenigen zur Rechenschaft ziehen, der sein Leben durcheinandergewirbelt hatte.

Ein Geräusch in seinem Rücken ließ ihn zusammenfahren. Plötzlich standen zwei Männer hinter ihm, ganz nah, zu nah. Sie hatten es ausgenutzt, dass er für einen Moment unvorsichtig gewesen war. Sofort ergriff er die Flucht und hoffte, ihnen zu entkommen, denn er war schnell und gut durchtrainiert. Ein Loch im Boden, das er in der Dunkelheit übersehen hatte, brachte ihn ins Straucheln. Verzweifelt suchte er Halt, konnte den Sturz aber nicht verhindern. Er spürte den Schmerz, zunächst im Knie, das er sich beim Sturz verdreht hatte, und dann im Rücken, als die Spitze eines Messers tief in ihn eindrang. Die Männer hatten ihn eingeholt.

Er wurde auf den Rücken gedreht und blickte in das Gesicht seines Mörders. Ein weiterer Stich ins Herz beendete seine Flucht, seine weiteren Pläne und sein Leben.

Natascha, was hast du getan, war sein letzter Gedanke, bevor alles um ihn herum dunkel wurde.

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